Aus: Neues Deutschland, 05.08.06


Israel zerstört Brücken nach Beirut


Hisbollah droht mit Raketen auf Tel Aviv, wenn Libanons Hauptstadt weiter bombardiert wird

 

Zerborstene Fischerboote im Beiruter Uzai-Distrikt nach einem israelischen Bombenangriff am gestrigen Freitag
Foto: AFP / Patrick Baz

Nach zahlreichen Luftangriffen ist Libanon auf dem Landweg von Hilfslieferungen weitgehend abgeschnitten.


Beirut (Agenturen/ND).

 

Israelische Kampfflugzeuge bombardierten am Freitag vier Brücken an der Küstenstraße nach Syrien nördlich von Beirut. Mit den Angriffen beseitigte die Luftwaffe die letzte verbliebene Verbindung von Libanon nach Syrien. Die Straße in östlicher Richtung nach Damaskus war zuvor wegen der Angriffe bereits unterbrochen. Zwei der Brücken – eine am Hafen Fidar – wurden vollständig zerstört. Auf der Brücke in der Nähe des Hafens Dschunije war eine Fahrtrichtung nicht mehr nutzbar. Auch die »Casino von Libanon«-Brücke wurde beschädigt. Stadtteile von Beirut wurden ebenfalls erneut von israelischen Flugzeugen bombardiert. Bei einem Luftangriff auf ein Gebiet nahe der syrischen Grenze wurden in Ostlibanon mindestens 25 Landarbeiter getötet. Israelische Kampfflugzeuge hätten Raketen auf einen Landwirtschaftsbetrieb in Al-Kaa gefeuert, hieß es.

 
UNO-Hilfsorganisationen beklagten, dass nach dem Brücken-Bombardement Hilfskonvois nun nicht mehr über Syrien nach Libanon fahren könnten. Die Straße zum Norden sei die »wichtigste Versorgungsroute« für Hilfsleistungen gewesen, kritisierte eine Sprecherin des Flüchtlings­kommissariats UNHCR in Genf. Die Angriffe kämen einem Zerschneiden der »Nabelschnur« des Landes gleich. Auch ein Sprecher des Welternährungsprogramms erklärte, wegen der »bedeutenden Schäden« an der Straße werde es nicht mehr möglich sein, von Syrien aus Hilfsmittel nach Beirut zu transportieren. Die EU-Kommission »bedauerte«, dass eine »sichere Route« getroffen wurde.

 
Bei neuen Raketenangriffen der libanesischen Hisbollah-Miliz sind am Freitag in Israel zwei Menschen getötet worden. Die Raketen seien bei Kirjat Schmona und in einer Ortschaft im Norden des Landes eingeschlagen, berichtete der israelische Rundfunk.

 
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah drohte mit Raketenangriffen auf Tel Aviv, falls Israel das Zentrum Beiruts bombardieren sollte. Bisher wurden fast ausschließlich Ziele in den südlichen Schiiten-Vororten Beiruts bombardiert, in denen die Hisbollah viele Anhänger hat. Getroffen wurden auch drei Schulen, darunter ein Blindenzentrum.

 
Unterdessen haben Frankreich und die USA immer noch keine Einigung über eine erste Libanon-Resolution erzielt. Die Chancen, dass diese entsprechend Washingtons Ankündigung noch in dieser Woche verabschiedet wird, wurden als gering eingeschätzt.

 
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert ist mit seinem erstmals öffentlich geäußerten Wunsch nach Bundeswehrsoldaten für eine internationale Libanon-Schutztruppe in Deutschland auf Zurückhaltung gestoßen. Die Bundesregierung hält an ihrer bisherigen Linie fest, dass zunächst Klarheit über ein Mandat geschaffen werden muss.